Die Idee war schon lange da, die Umsetzung ließ auf sich warten.
Bernd Eick und ein Löninger Freund wollten seit Langem – genauer gesagt seit der Corona-Pandemie – die Grenze des Landkreises Emsland mit dem Rennrad abfahren, etwa 300km, an einem Tag.
Nun sollte es am vergangenen Samstag endlich so weit sein.
Wenige Tage zuvor fragte Bernd noch seine 17jährige Teamkameradin, Rubi Ostermann, ob sie nicht auch ein Stück mitfahren möchte. Sie sagte zu, wollte sich aber nach 130 bis 150km von ihren Eltern irgendwo abholen lassen. Rubi ist zuvor lediglich ein einziges Mal 90km mit dem Rennrad unterwegs gewesen, ansonsten bevorzugt sie eher Strecken bis zu 50km, mit spezieller Vorbereitung auf die Triathlon-Liga-Wettkämpfe.
Vergangenen Mittwoch bei einer Ausfahrt der RSG Lohne-Vechta ab Lohne lernte Bernd einen Dinklager Rennradfahrer kennen, der mittlerweile in Löningen mit seiner Familie wohnt. Auf Nachfrage, ob er nicht auch Lust auf die „Grenzerfahrung“ hat, sagte er sofort die Teilnahme zu.
Somit ging es am Samstag um 06:00 Uhr bei einer Außentemperatur von 12 Grad Celsius und starker Bewölkung in Löningen „gegen den Uhrzeigersinn“ los. Nach 15 Kilometer hatten wir Herzlake -als nahegelegensten Ort des Landkreises Emsland von Löningen aus gesehen- erreicht.
Die Rennräder waren bestückt mit einer Menge Verpflegung und Material, um ggf. Reparaturen schnell beheben zu können.
Nach etwa 80 km -am südlichsten Zipfel des Landkreises Emsland in Salzbergen angekommen – entschieden wir uns für ein ausgiebiges Frühstück. Der Wettergott meinte es hier richtig gut mit uns – so konnten wir bei herrlichem Sonnenschein auf der Terrasse der Bäckerei „Sundag“ das Frühstück genießen. Besonders zu empfehlen ist neben den üppig belegten Mettbrötchen die Joghurette-Kuchenrolle. Es konnte hier nur gut schmecken – waren vor uns in der Warteschlange doch tatsächlich 14(!) Personen anzutreffen.
Weiter ging es über Emsbüren und Lingen in Richtung Haren (Ems).
Während eines Stopps an einer Tankstelle in Twist öffneten sich die Wolken und der Regen prasselte herunter. Somit verlängerten wir die Pause bei Schokoriegeln und Süßgetränken um einige Minuten.
10 Kilometer vor Rhede stoppte uns erneut ein kräftiger Regenschauer. Wir stellten uns bei einer Bushaltestelle unter. Rubi wollte schon ihre Mutter anrufen, damit sie abgeholt wird, doch wir machten ihr das ausgiebige Mittagessen mit Pasta in Rhede schmackhaft und erklärten ihr, dass sie im Anschluss richtig viel Kraft hätte, um noch einige Kilometer mit uns mitzufahren. Gesagt! Getan!
Beim Italiener „Bella Vita“ gab es große, leckere Pizzen für alle.
In diesem Lokal mussten wir länger als erwartet aushalten, denn erneut öffneten sich die Wolken, hinzu kam stürmischer Wind.
Nach etwa 90 Minuten nutzen wir die kurze Trockenperiode, um wieder auf´s Rad zu steigen. Leider wurden wir nur wenige Kilometer später klitschnass – aber es war warmer Regen und mit ordentlich Rückenwind hat es sogar viel Spaß gemacht, hindurchzufahren.
Und Rubi: Sie war natürlich immer noch bei uns. Kein Gedanke wurde weiterhin daran verschwendet, die Mutter anzurufen, um abgeholt zu werden.
In Werlte wurde überlegt, wo wir einen letzten Verpflegungsstopp vor der finalen Etappe einlegen. Da kam der 24/7-Lebensmittel-Automat in Lähden genau richtig. Nach unserer Versorgung hätte der Aufsteller direkt kommen können, um den Automaten wieder aufzufüllen – wir hatten ihn nahezu geplündert!
Noch einmal gut gestärkt ging es dann mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 34! km/h zum Ausgangspunkt nach Herzlake. Hier trafen wir gegen 20:30 Uhr ein. Nach einigen Fotos am Ortsschild von Herzlake radelten wir gemeinsam mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder nach Löningen.
Rubis Eltern standen bereits vor ihrem Haus und nahmen uns in Empfang. Sie konnten kaum glauben, dass Rubi diese Strecke ohne große Probleme abgespult hatte. Rubi strahlte über beide Ohren und entschuldigte sich förmlich dafür, dass sie nach Jahren mal wieder eine Dose Cola getrunken hatte.
In Löningen-Böen angekommen, blieb meine Uhr bei 333 gefahrenen Kilometern stehen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 30,4km/h.
What-a-feeling! Geschafft! Wirklich ein tolles Gefühl.
Bemerkenswert: Wir hatten unterwegs nicht einen einzigen technischen Defekt. Bei insgesamt etwa 1330 gefahrenen Kilometern ist das sehr erstaunlich.
Somit sind wir an dem Tag durch die Landkreise Cloppenburg, Leer, Osnabrück, den Kreis Steinfurt sowie den Landkreis Grafschaft Bentheim gekommen. Im Westen grenzt der Landkreis Emsland an die niederländischen Provinzen Drenthe und Groningen.
Auf den letzten Kilometern kurz vor Löningen wurde bereits laut darüber nachgedacht, als nächstes eine 400km-Runde an einem Tag in Angriff zu nehmen. Darüber wollten wir aber dann doch erstmal eine Nacht schlafen.
